Was gab es für Zahlungsmittel und wie sahen die Münzen aus? Hier ein kleiner Überblick dazu:
Die Reformen Karls des Großen in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts bildeten die Grundlagen für das mittelalterliche Geldwesen. Seit diesen Münzreformen war die einzige reale Währungseinheit der Silber-Pfennig, in den lateinischen Quellen denarius genannt. Sein Wert wurde von seinem tatsächlichen Silbergehalt bestimmt, das heißt sein Münz- oder Währungswert lag wegen der Pruduktionskosten der Münze jeweils geringfügig über dem seines reinen Edelmetallwerts. Außerdem gab es als reine Zähleinheiten den Schilling oder solidus, bestehend aus zwölf Pfennigen, und das Pfund (lat. lihra), das in zwanzig Schillinge eingeteilt war. Wenn also zum Beispiel in einer mittelalterlichen Quelle für ein Haus ein Kaufpreis von 4 Pfund, 3 Schilling und 10 Pfennigen genannt wird, dann wechselten 1006 (4 x 240 + 3 x 12 + 10) Pfennige den Besitzer.
Für die Menschen des relativ spät besiedelten Gebiets von Wüstenrot war daher erst der Haller Pfennig oder Heller von Bedeutung, der seit Ende des zwölften Jahrhunderts geprägt wurde. Zunächst wohl eher als regionale Münze für diesen bisher münzstättenlosen Raum gedacht, trat der Heller seit dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts einen Siegeszug durch ganz Süddeutschland an, da er nicht nur im Wert als recht stabil und zuverlässig galt, sondern auch im Gegensatz zu einer Vielzahl von regionalen Münzsorten überall umlauffähig und akzeptiert war. So stellte der Heller bald die Grundlage des südwestdeutschen Münzwesens dar.Bekanntermaßen ist die Saline ein entscheidende Faktor für das Entstehen des mittelalterlichen Schwäbisch Hall. Doch neben dem "weißen" Gold gab es einen anderen Grund für die Blüte der Stadt: die königliche Münzstätte. Ihre Gründung wird dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) zugeschrieben. Seine Feldzüge und seine Bemühungen um die Ausdehnung seiner "Hausmacht" (Familienbesitz) schufen einen ständigen Geldbedarf, dem er durch die Prägung eigenen Geldes begegnete.
Das alte deutsche, nach den Bistümern gegliederte Währungssystem wurde nun durch die in Schwäbisch Hall geprägte Reichsmünze verdrängt, die nach ihrem Herstellungsort "Häller" oder "Heller" hieß. Diese 1189 urkundlich erstmals erwähnte Münze war der zwölfte Teil eines Schillings; 20 Schilling oder 240 Heller ergaben ein Pfund Heller - ein in Großbritannien bis in das 20. Jahrhundert gebräuchliches System. Angeblich entsprach ein Heller dem Wert eines großen Käses.
Die in großen Mengen hergestellte, kleine Münze aus dünnem Silberblech mit einheitlichem Silbergehalt von etwa 0,3 Gramm bei 0,55 Gramm Gesamtgewicht erreichte rasch eine weite Verbreitung im deutschen Reich. Nach 1300 begann der Niedergang des Hellers, der nun auch andernorts, z.B. in Frankfurt und Nürnberg geprägt wurde.
Bilder oben: Es handelt sich vermutlich um einen Heller des H/A/L/L/A-Typ aus der Mitte des 13. Jahrhunderts
Der Pfennig
Der Pfennig entstand aus dem Denar, als Karl der Große 794 das Münzwesen vereinheitlichte. Der Name kommt von alten Wörtern für Pfand. Die Silbermünze wog zunächst 1,7 Gramm. Im 12. Jahrhundert enthielt der Pfennig noch ein Gramm, um 1500 noch 0,1 Gramm Silber.Siehe auch Geldzeichen
Der Pfennig besaß zuerst eine recht hohe Kaufkraft. Für einen Pfennig bekam man 2 Hühner oder 15 große Brote, ein Schwein kostete 6 bis 12 Pfennige, ein Ochse 60 Pfennige. Im Mittelalter war für fast 500 Jahre, bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, der silberne Pfennig als einzige Münzsorte im Umlauf, es gab noch keine Groschen oder andere Werte.
Für größere Zahlungen brauchte man natürlich auch eine große Menge Pfennige, sie wurden dann nicht gezählt, sondern einfach gewogen.
Vor fast 750 Jahren, 1266, wurden in der französischen Stadt Tours erstmalig größere Münzen im Wert von 12 Pfennigen geprägt. Dieser "Große aus Tours", auf lateinisch "grossus turonus", bewährte sich so, dass auch deutsche Fürsten und andere Länder diese Münzeinheit ausgaben. Aus dem lateinischen Wort grossus, groß, wurde das deutsche Wort Groschen. Den Spruch "... ist den Taler nicht wert" gab es damals noch nicht. Erst um 1500, zur Zeit, als Kolumbus Amerika entdeckte, prägten die Grafen von Schlick in Böhmen die ersten dieser großen Silbermünzen. Nach dem Fundort des Silbers, Joachimsthal, nannte man sie Joachimsthaler Guldengroschen, bald nur noch kurz: Taler. Der Pfennig wurde dann zur Scheidemünze degradierte, zum Kleingeld, er besaß nicht mehr den eigentlichen Wert als Edelmetall. Bald gab es ihn überall nur noch aus Kupfer.
Bis zur Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 herrschte in Deutschland ein ziemliches Chaos auf dem Gebiet des Geldes. Einige der deutschen Länder hatten sich zwar schon zu Währungsgebieten zusammengeschlossen und prägten Münzen, die in den Partnerländern ebenfalls galten, dennoch gab es vor 1871 mehr als 20 unterschiedliche Geldbezeichnungen, wie Heller, Kreuzer, Taler oder Gulden.
|
Pfennig, Halberstadt, Gero von Schermbke, 1160-1177 |
Brandenburger Pfennig um 1315 |
Pfennig Otto III 1249-1306 |
|
Regensburg |
Regensburg |
Regensburg |
|
Regensburg |
Regensburg |
Regensburg |
|
Regensburg |
Regensburg |
Regensburg |
Die Brakteaten wurden zwischen 1130 und 1200 im Gebiet zwischen Elbe, Main und Weser geprägt. Sie hatten ihren Ursprung in der Goldschmiedekunst. Die Technik, ornamentale Linienmuster auf der Vorderseite erhaben und auf der Rückseite vertieft in Gold-, Silber- und Kupferblech zu treiben, wurde auch in der Münzprägung angewandt. So entstanden die einseitig geprägten flachen Silberblech-Münzen, die man später als Brakteaten (bractea = dünnes Blech) oder Hohlpfennige bezeichnete. Brakteaten sind die eigenartigste und interessanteste Erscheinung im Münzwesen des deutschen Mittelalters. Dem Nominal nach waren Brakteaten silberne Pfennige. Im 12. und 13. Jh. dienten die Brakteaten der Bevölkerung für die lokalen Märkte. Diese Münze ist geprägt von Bischoff Gero von Schermke.
Der Ausdruck Brakteat (von Lat.: bractea dünnes Metallblech) meint eine einseitig geprägte silberne, mittelalterliche Pfennigmünze, die zwischen der Mitte des 12. Jahrhundertrs und bis ca. 1300 geprägt wurde. Brakteaten kamen aus Nord- und Ostdeutschland, Hessen, die Wetterau und dem Bodenseegebiet.

Brakteat Otto IV 1198-1215 21 mm Brakteat Fridedrich II 1215-1250 22 mm
Der Kreuzer
Der Kreuzer ist eine Münze welche im süddeutschen Raum in Österreich und in der Schweiz verbreitet war. In den meisten Währungssystemen dieser Region galt 8 Heller = 4 Pfennig = 1 Kreuzer und 4 Kreuzer = 1 Batzen . Demgegenüber war in Norddeutschland der Groschen die gebräuchliche Kleinmünze oberhalb des Pfennigs. Der Kreuzer geht auf eine Groschenmünze zurück welche ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert in Meran im Südtirol geprägt wurde. Wegen des Doppelkreuzes auf der Vorderseite der Münze erhielt sie bald den Namen Kreuzer. Sie breitete sich im gesamten Süden des deutschen Sprachraumes aus. In Deutschland war der Kreuzer bis zur Einführung der Mark 1873 in Gebrauch. In der Schweiz existierte er bis zur Einführung der Frankenwährung 1850 . In einigen Kantonen versuchte man schon vorher alle Kleinmünzen durch den Rappen (und dessen Vielfache) zu ersetzen doch war die Bevölkerung derart an das alte Münzsystem gewohnt dass als Kompromiss Münzen zu 2½ Rappen (was 1 Kreuzer entsprach) geprägt wurden. In Österreich wurde das alte Münzsystem 1857 abgeschaft. Bis 1892 existierte der Kreuzer aber als Hundertstel des Guldens weiter.
Hier noch ein kurzer Abriss zum Taler, über den die meisten Leute der Ansicht sind, es hätte ihn bereits im Mittelalter um 1250 gegeben:
Der Taler (Niederländisch Daler engl. Dollar tschech. Tolar ) war ein größeres Geldstück aus Silber das zuerst in Joachimsthal (Jáchymov) in Böhmen Tschechien (Joachimsthaler) von den Herren v. Schlick seit 1518 mit ihrem Wappen dem böhmischen Löwen und dem Bild des heiligen Joachim geprägt wurde. Später verstand man unter Taler alle großen Silbermünzen die mehr als 1 Lot wogen. Diese kamen unter verschiedenen Nebenbezeichnungen vor als Kronentaler Laubtaler Speziestaler usw. Der auch nach der Einführung der Reichswährung in Deutschland noch umlaufende Taler der bis Ende 1871 die Geldeinheit von beinahe ganz Norddeutschland bildete wurde in 30 Groschen geteilt und auch in Süddeutschland geprägt. Dort hatte er den Wert von 1¾ Gulden und wurde im Allgemeinen Reichstaler genannt. Er enthielt nach dem Münzgesetz von 1857 16 666 g Feinsilber und war so viel wert wie 3 Mark Gold . Auch in Dänemark und Schweden wurde bis Ende 1874 in Reichstalern gerechnet.
Der Vorgänger des Talers war in Tirol seit 1484 der Guldengroschen in Sachsen um 1500 der Klappmütztaler. Der Joachimstaler wurde später zur Reichsmünze erhoben auch als Reichstaler in ganz Deutschland in Österreich bis 1909 . In Österreich wurde ab 1753 in der Reichsmünzstätte Günzburg und in Wien der Maria-Theresien-Taler geprägt mit dem Bildnis der Kaiserin Maria Theresia ( 1740 bis 1780 ) erst diese Münze machte eine wirklich weltweite Karriere. Die Münze wurde zwar schon 1858 in Österreich demonetarisiert wurde aber als Handelsmünze (mit unveränderter Jahreszahl 1780 ) bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Arabien und Äthiopien verwendet. Der Maria-Theresien-Taler ist die häufigste Silbermünze der Welt und wird bis heute für Sammler geprägt.
| um 900 | um 1000 | Heute | |
| Gr. Silber | Gr. Silber | EURO | |
| 10 Hühner | 1 | 30,00 | |
| 1 Kg. Getreide | 3 | 80,00 | |
| Messer | 3 | 80,00 | |
| Schnalle | 5 | 130,00 | |
| Zaumzeug | 10 | 250,00 | |
| Mantel | 12 | 300,00 | |
| Schaaf | 15 | 400,00 | |
| Sporen | 20 | 500,00 | |
| Schwein | 30 | 800,00 | |
| Lanze | 51 | 1.350,00 | |
| Schild | 86 | 2.500,00 | |
| Steigbügel | 126 | 3.300,00 | |
| Schwert | 126 | 3.300,00 | |
| Schild u.Lanze | 135 | 137 | 3.500,00 |
| Kuh | 100-137 | 2.500,00 u. mehr | |
| Ochse | 125-137 | 3.150,00 u. mehr | |
| Sklavin | 204 | 5.200,00 | |
| Sklave | 306 | 7.800,00 | |
| Helm | 400 | 410 | 11.000,00 |
| Schwert mit Scheide | 500 | 300-500 | 7.600,00 u.mehr |
| Schwertscheide | 354 | 8.800,00 | |
| Kettenhemd | 820 | 21.000,00 | |
| Gamaschen etc. | 400 | 410 | 12.000 |
| Brünne | 800 | 24.000 | |
| Pferd | 800 | 24.000 | |
| Schlachtross | 5000 - 8000 | ab 70.000 u. mehr |
Um einmal eine Vorstellung zu bekommen, listen wir einmal auf, was ein Ritter, welcher auf den 3. Kreuzzug ging und gut ausgestattet war, an Vermögen mit sich führte: (Kaufkraft in Euro heute)
| Schwert mit Scheide | 7.600,00 |
| Schild mit Lanze | 3.500,00 |
| Gamaschen ect. | 12.000,00 |
| Helm | 11.000,00 |
| Kettenhemd | 21.000,00 |
| Brünne | 24.000,00 |
| 3 Pferde | 72.000,00 |
| ein Schlachtross | 70,000.00 |
| Summe rund | 320.000,00 |
| Hinzu der Nachweis eines Vermögens von 3 Mark, (1500 Gramm Silber) |
45.000,00 |
| SUMME rund | 360.000,00 |
Wir können also von zwei Dingen ausgehen:
1. Bei weitem nicht jeder Ritter war so ausgestattet!
2. Vielen Rittern blieb es auf Grund Ihrer Vermögenssituation
versagt an diesem Kreuzzug teilzunehmen.
Es war vermutlich auch eine soziale Maßnahme von Friedrich, denn für viele Ritter der ersten beiden Kreuzzüge bedeutete die Teilnahme den wirtschaftlichen Ruin. Es ist überliefert, das Männer die Schwertleite ablehnten, da sie es sich nicht leisten konnten, in den Ritterstand erhoben zu werden.
Venedig war das Sprungbrett für viele Kreuzfahrer.
Wenedig war zwar eine recht kleine Republik, verfügte aber über eine nicht unerhebliche Handelsflotte. Allerdings waren die Venezianer Kaufleute, zuerst Kaufleute, dann Christen. Allen voran der damalige Doge Dandolo.
In stolzem Alter von 94 Jahren stand der Mann immer noch dem Rat vor, als die Kreuzfahrer Überfahrt und Verpflegung für Ihr Heer von Venedig erbaten.
Nach langem hin und her erklärten sich die Venizianer bereit, den Transport und die Verpflegung für das Heer der Kreuzfahrer zur Verfügung zu stellen.
Der Preis beinhaltete die Überfahrten und Versorgung für zwei Jahre.
Die Zahlenangaben beziehen sich auf das, was die Venizianer zu Leisten bereit und in der Lage waren. Dies waren nicht unbedingt die Teilnehmerzahlen.Überliefert ist auch, das nach dem man alles an Werten und Vermögen zusammen geworfen hatte, um den Preis zu ereichen, 37.000 Mark Silber fehlten!
Qellenhinweis
Dr. Klaus Koniarek ©
Daniel Stihler, Stadtarchiv Schwäbisch Hall
Meyers Konversationslexikon 4.Aufl. 1888-90 Bd.15 S.681.